Hat der Monotheismus ausgedient?
Wien [ENA] Wenn König Charles III. nicht mehr nur den christlichen Glauben der anglikanischen Kirche verteidigen möchte, sondern auch die Religionen aller jener Menschen die in Großbritannien leben, dann nähert sich Europa vielleicht wieder der Antiken Welt an, in der eine Vielzahl von Göttern und Göttinnen sich den Glaubensraum teilten und Glauben oder Nichtglaube mehr oder weniger Privatangelegenheit war.
Dabei stellt sich auch die Grundsatzfrage nach der theologischen Grundlage einer multireligiösen Gesellschaft in einer Zeit, wenn die Mehrheit der Bevölkerung ohne Glauben oder kirchlicher Bindung lebt und zum Beispiel in England nur noch 12% Anglikaner sind. Und welche Rolle kann Charles III. überhaupt als Vermittler des interreligiösen Dialogs spielen, anstatt das Evangelium im öffentlichen Raum einzufordern, beanstanden Theologen. Zwar ist es richtig, dass sich Großbritannien in jenen 70 Jahren seit Elisabeth II. 1952 den Thron bestieg, stark verändert hat, aber als weltliches Oberhaupt der anglikanischen Kirche von England ist der britische Monarch eben auch "Defender of the Faith", ein Titel der schon sehr lange zurückreicht.
Denn 1521 hat König Heinrich VIII. diesen von Papst Leo X. verliehen bekommen, weil er ihn teilweise gegen Luther verteidigt hatte. Aber im jährlichen Rechenschaftsbericht des britischen Königshauses wird ab nun als königlicher Titel nicht mehr der jahrhundertealte Titel "Verteidiger des Glaubens" verwendet, sondern der eines "Beschützers für den Raum für Glauben in einer multireligiösen Nation". Natürlich regt sich viel Widerstand in christlichen Kreisen gegen diese Neudefinition, denn damit wird auch die Autorität Jesu Christi, die Grundlage vieler Gesetze und der Kultur überhaupt infrage gestellt. Immerhin ist der christliche Monotheismus eine erbittert erkämpfte Religion, die sich als allein seligmachende Erlösungstheorie sieht.




















































